Gentests und Datenschutz - Glossar

Im Glossar erklären wir, was Biobanken sind, welche Arten von Gentests es gibt und was genau die Gentest-Unternehmen eigentlich analysieren.

23andme
Mit wem bin ich verwandt? Wie unterscheiden sich meine Gene von denen der Durchschnittsbevölkerung? Was sagen meine Chromosomen über mich aus? Diese Fragen will der Dienst 23andme beantworten. Der Name steht für die Anzahl der menschlichen Chromosomen – 23 – und mich, also die ganz private Durchschnittsperson.

23andme ist ein Beispiel für Dienste, welche die private Analyse des Genmaterials anbieten – geriet aber besonders in die Schlagzeilen, da Google das noch junge Unternehmen aufkaufte und die Gentests vergleichsweise günstig zu haben sind: 999 Dollar inklusive Versandkosten kostet der Test. Hat man sich online bei 23andme angemeldet, schickt der Dienst ein Test-Kit los – ein Wattestäbchen für eine Speichelprobe und ein Glasröhrchen zum luftdichten Verschließen. Beides geht zurück in die Labors des Dienstes. Ein paar Wochen später kann sich der Proband in einen passwortgeschützten Bereich auf der 23andme-Website einloggen und seine persönlichen Gendaten einsehen.

Dienste wie 23andme analysieren nicht das gesamte Erbgut, sondern lediglich die so genannten SNPs. Das sind „Kopierfehler“, die beim Vervielfältigen der DNA auftreten und die dafür sorgen, dass sich ein Mensch vom anderen unterscheidet. Eine Entschlüsselung des gesamten Genmaterials wäre ungleich teurer - der Preis dafür liegt bei etwa 300.000 Dollar.

Im Juni untersagte die Gesundheitsbehörde im US-Bundesstaat Kalifornien 23andme und anderen Diensten allerdings, Gentests durchzuführen; Kunden hatten sich beschwert, dass die Gentests zu teuer und zu ungenau seien. Nun wird geprüft, ob die Labors von 23andme den offiziellen Standards entsprechen und ob, wie in Kalifornien vorgeschrieben, ein Arzt die Gentests anordnet.

Biobank
Sammlung von Biomaterial-Proben, zum Beispiel Gewebeproben oder Genmaterial, und den zugeordneten Daten genetischer und sonstiger Art – dazu gehören zum Beispiel Daten über Herkunft, Alter und Geschlecht des Materialspenders und auch Informationen über seine Lebensumstände und eventuell bestimmte Vorlieben (Raucher, Nichtraucher, Ernährungsgewohnheiten, Medikamentengebrauch).

DNA-Analysedatei
Vom Bundeskriminalamt betriebene Datei aller deutschen Länder und des Bundes. Hier werden genetische Spuren, etwa vom Tatort eines Verbrechens, und genetische Fingerabdrücke bekannter straffälliger oder verdächtiger Personen gespeichert. Die Proben müssen freiwillig abgeben werden. Durch einen DNA-Abgleich sollen Verbrecher überführt werden. In der DNA-Analysedatei sind etwa 400.000 Proben gespeichert. Die Fahnder dürfen Genmaterial von Beschuldigten nur bei schweren Verbrechen, etwa Vergewaltigung oder Mord, speichern, und wenn sie mit weiteren Vergehen des Verdächtigen rechnen. Zudem muss ein Richter die Analyse anordnen.

Gendatenbank
Datenbank, in der genetische Informationen über Menschen – oder andere Organismen – abgelegt sind. Diese Datenbanken waren unter anderem in der Diskussion, um mittels eines genetischen Fingerabdrucks Abgleiche zwischen Straftätern zu machen – vergleiche die DNA-Analysedatei des Bundeskrimininalamts.
Gendatenbanken können darüber hinaus zum Beispiel in der Medizin Verwendung finden, um z.B. die Verträglichkeit von Spenderorganen und Spendergewebe zu klären, oder in der Biologie, wo sich durch Genabgleich Verwandtschaftbeziehungen zwischen Arten und Gattungen offenlegen lassen.

Gentest
Untersuchung des Erbmaterials. Man unterscheidet zwischen Gentests, welche die Ursache einer Krankheit aufklären sollen, also diagnostische Zwecke haben, und Gentests, die Voraussagen über Krankheitsveranlagungen geben sollen, so genannte prädikative Gentests.

SNPs - Single Nucleotide Polymorphism
SNPs - ausgesprochen Snips – sind kleine Unterschiede in der Gensequenz. Beim Vervielfältigen der DNA wird eine der Basen fehlerhaft kopiert, an ihre Stelle rückt eine andere. Das sorgt zum einen dafür, dass sich ein Individuum vom anderen unterscheidet. Zum anderen können diese Unterschiede auch Aufschlüsse darüber geben, ob zum Beispiel eine Veranlagung für eine vererbbare Krankheit vorliegt.